Kein Bock auf Schule?

Was Kids und Jugendliche brauchen um motiviert zu lernen…
Als Lerncoach arbeite ich nicht nur mit Auszubildenden und Studenten sondern auch oft mit Kindern und Jugendlichen und natürlich deren Eltern. Da unser Schulsystem meiner Meinung nach nicht nur ein „Reförmchen“ sondern eine Revolution braucht, ist  es manchmal auch für einen Lerncoach schwierig zwischen Verantwortung (das muss sein – Schule ist halt so) und einer individuellen gehirn-gerechten Lernförderung zu jonglieren. Das geht natürlich auch vielen Eltern so. Es ist ungemein schwieriger geworden in Zeiten  kurzer Aufmerksamkeitsspanne (verursacht durch den hohen Konsum digitaler Medien z.B. TV, Smartphone, Tablet) und einer so dynamischen Zunahme an Wissen die gleichen, aus dem Jahre 1854 stammenden Schulformen, aufrecht zu erhalten. Darunter leiden vor allem die Schüler, es sei denn sie geraten an einen guten Lehrer, der bereits in der Lage ist, auf diese Herausforderungen mit den richtigen Lehrmethoden und der richtigen Einstellung zu reagieren.
So lange wir aber vielerorts in diesem Schwebezustand hängen, helfen an dieser Stelle vielleicht ein paar Tipps um Kindern, Jugendlichen aber auch Erwachsenen zu helfen sich zu motivieren und die Hoffnung nicht aufzugeben ;)

„Mama, ich habe keine Lust auf Hausaufgaben!“
Wenn dir diese und andere wenig motivierte Aussagen deines Kindes bekannt vorkommen, dann gehörst du zu den Eltern, die wahrscheinlich die eine oder andere Auseinandersetzung mit dem Sprössling im Schulalltag hinter sich haben. Viele Kids leiden selbst unter den schulischen Herausforderungen und wissen nicht, wie sie das Lernen richtig angehen sollen.
Jetzt könnten an dieser Stelle die gängigen Tipps kommen wie:
Sorge für einen ruhigen Raum…
Suche Dir eine Belohnung, was du nach dem Lernen machen möchtest, etc.

Grundlegend beim Lernen aber ist etwas ganz anderes. Sind unsere vier menschlichen Grundbedürfnisse nicht erfüllt, dann haben wir Schwierigkeiten uns zu motivieren.
Fabian Grolimund hat dies in seinem Buch „Mit Kindern lernen“ wunderbar beschrieben.

Die vier Grundbedürfnisse
Wir alle streben danach die vier Grundbedürfnisse in jeder Situation unseres Lebens erfüllt zu sehen:

  • Der Wunsch nach stabilen Bindungen zu anderen Menschen
  • Das Bedürfnis nach Kompetenz und Kontrolle
  • Der Wunsch nach angenehmen Erfahrungen
  • Der Schutz des Selbstwertgefühls und Streben nach Erhöhung des Selbstwertes

Ist dies nicht möglich, stehen wir in einem Konflikt, der sich negativ auf unsere Motivation auswirkt. Überlege einmal was dein Kind während des Lernens und der Hausaufgaben erlebt.
 
Leitfragen könnten sein:

  1. Ist die Situation lustvoll oder unangenehm?
  2. Wie ist die Beziehung zwischen Ihnen und ihrem Kind? Gibt es einen Unterschied zu anderen Alltagssituationen?
  3. Erlebt ihr Kind das Lernen/die Hausaufgaben als Bestätigung, Herausforderung oder Bedrohung? Macht es die Erfahrung Komplimente, Anerkennung oder Kritik zu bekommen?
  4. Hat ihr Kind das Gefühl der Kontrolle und Kompetenz oder erlebt es sich als hilflos und der Aufgabe nicht gewachsen?

Vielleicht kannst du dich auch an deine eigene Schulzeit zurück erinnern? Vielleicht hast du auch heute im Erwachsenenalter noch Situationen, in denen ein oder mehrere dieser Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Wie erlebst du diese Situationen?

Versuche einmal die Tabelle  auszufüllen und nehme während dessen die Rolle ihres Kindes an. Wichtig ist, dass du nicht wertest und beurteilst, sondern ganz bei dem Gefühl bleibst. Es geht um die Sicht ihres Kindes.

 

  Bedürfnis   Was erlebt mein Kind?

Angenehmes und  Interessantes erleben wollen. Langweilige und schmerzhafte Tätigkeiten vermeiden.

                                                                                                                               

Schöne Beziehungen erleben, Stress und Spannungen vermeiden.

 

Anerkennung und Wertschätzung erleben. Das eigene Selbstwertgefühl schützen und stärken.

 

Kompetenz und Kontrolle erfahren und Hilflosigkeit vermeiden.

 

Je mehr dein Kind diese vier menschlichen Grundbedürfnisse erfüllt sieht, desto mehr Motivation wird es für eine Tätigkeit aufbringen. Umgekehrt bedeutet dies: Je mehr diese Bedürfnisse verletzt werden, desto stärker sucht es nach Möglichkeiten die Aufgabe zu vermeiden. Dies zeigt sich in lustlosem Verhalten („Ich habe aber keine Lust auf Lernen“) ist aber ein innerer menschlicher und damit ernst zu nehmender Konflikt.

 

So kannst du die Motivation deines Kindes positiv beeinflussen
Wenn sich Menschen in den vier unten aufgeführten Bereichen sicher fühlen, erleben sie sich als kompetent und selbstwirksam. Im Folgenden siehst Du eine Auflistung, was Dein Kind erleben sollte, um sich motiviert zu fühlen und auf den Lernprozess einzulassen.
1.    Vermittlung von Kompetenz und Kontrollgefühl

  • Ich mache Fortschritte
  • Meine Anstrengungen führen zu Erfolg
  • Ich kann mit Misserfolgen umgehen
  • Ich kann mitbestimmen wann und wie ich lerne.


2.    Anerkennung zeigen

  • Meine Fähigkeiten und Fortschritte werden gesehen und mir zurück gemeldet
  • Ich werde gelobt


3.    Positive Beziehung gestalten

  • Angenehme Atmosphäre gestalten
  • Liebe und Wertschätzung von schulischen Themen trennen
  • Vertrauen und Glauben an die Fähigkeiten des Kindes


4.    Lustvolle Erlebnisse - Spaß am Lernen

  • Ziele
  • Klare Struktur
  • Belohnung
  • Kenntnis von Lernstrategien

Was viele Eltern oft nicht wissen: Es ist sehr demotivierend mit anderen verglichen zu werden. Deshalb ist das altbewährte Lob auf der individuellen Bezugsnorm wichtig, um deinem Kind Fortschritte zu spiegeln. Jeder Mensch will weiter kommen in seinen Fähigkeiten (auch wenn das manchmal nicht so aussieht).
Das Gegenteil einer individuellen Bezugsnorm ist die soziale Bezugsnorm. Werden wir mit unserem Sozialumfeld verglichen und nicht mit uns selbst, sinkt die Motivation. Um das einmal zu üben, markiere einmal in der nächsten Übung  jene die Aussagen, bei denen auf der individuellen Bezugsnorm wertschätzend kommuniziert wird und die Leistung auf die eigenen Anstrengungen zurückgeführt wird.

 

Das Gegenteil einer individuellen Bezugsnorm ist die soziale Bezugsnorm. Werden wir mit unserem Sozialumfeld verglichen und nicht mit uns selbst, sinkt die Motivation. Um das einmal zu üben, markiere einmal in der nächsten Übung  jene die Aussagen, bei denen auf der individuellen Bezugsnorm wertschätzend kommuniziert wird und die Leistung auf die eigenen Anstrengungen zurückgeführt wird.

Aussage

X

 

Wir hatten bei uns in der Familie alle Probleme mit Mathe, besonders die Mädels.

 

 

Ich weiss, dass dir das Lesen schwer fällt, deshalb ist es sehr wichtig, dass du weiter übst. Du verbesserst dich, wenn du dran bleibst.

 

 

Super, welche Mühe du dir gibst.

 

 

Dein Bruder ist halt mehr der Rechner. Du bist eher diejenige die das Schreiben im Blut hat.

 

 

Ich weiß du bist enttäuscht wegen der schlechten Note. Was meinst du woran es gelegen hat? Hast du die Grammatik nicht geschafft zu lernen?

 

 

Ist doch nicht so schlimm. Schreiben ist halt nicht so dein Ding.

 

 

Wenn wir jeden Tag zehn Minuten üben, wirst du den Tausenderraum beim Rechnen sehr bald verstanden haben.

 

 

Lob spielt eine wesentliche Rolle und kann Deinem Kind eine starke psychologische Unterstützung sein.

Wenn wir also richtig loben und unseren Kids ihre Stärken spiegeln, helfen wir ihnen sich selbst und ihren Fähigkeiten zu vertrauen.

 

Übrigens:
In wissenschaftlichen Untersuchungen hat Carole Dwerk (2007) herausgefunden, dass es keine Rolle spielt, ob die Erklärungen für Erfolg oder Misserfolg richtig oder falsch sind, da beide Erklärungsmuster dazu tendieren, wahr zu werden …
Zum Abschluss hierzu eine kleine Anekdote:
Eines Tages kam Thomas Edison von der Schule nachhause und gab seiner Mutter einen Brief. Er sagte ihr: "Mein Lehrer hat mir diesen Brief gegeben und sagte mir, ich solle ihn nur meiner Mutter zu lesen geben."
Die Mutter hatte die Augen voller Tränen, als sie dem Kind laut vorlas: "Ihr Sohn ist ein Genie. Diese Schule ist zu klein für ihn und hat keine Lehrer, die gut genug sind, ihn zu unterrichten. Bitte unterrichten Sie ihn selbst."
Viele Jahre nach dem Tod der Mutter, Edison war inzwischen einer der größten Erfinder des Jahrhunderts, durchsuchte er eines Tages alte Familiensachen. Plötzlich stieß er in einer Schreibtischschublade auf ein zusammengefaltetes Blatt Papier. Er nahm es und öffnete es. Auf dem Blatt stand geschrieben: "Ihr Sohn ist geistig behindert. Wir wollen ihn nicht mehr in unserer Schule haben."
Edison weinte stundenlang und dann schrieb er in sein Tagebuch: "Thomas Alva Edison war ein geistig behindertes Kind. Durch eine heldenhafte Mutter wurde er zum größten Genie des Jahrhunderts."


Viel Erfolg beim motiviert Lernen wünscht,


das Greenline Training Team