Was tun bei Aufschieberitis?


Klar, das kennen wir alle. Die Energie zum Lernen scheint grad wie verflogen und außerdem müssen wir ganz dringend noch die Spülmaschine ausräumen. Warum also nicht das Studieren des Fachbuchs auf morgen verlegen, denn morgen – so scheint es ja oft – wird eh alles besser sein.

 

Die sogenannte „Aufschieberitis“ ein Begriff der mittlerweile auch in seriösen Fachbüchern der Lernforschung Eingang gefunden hat, ist ein Phänomen mit dem sich wahrscheinlich die meisten Menschen von klein auf konfrontiert sehen. Schon als Schüler wollten wir doch unsere Hausaufgaben lieber später machen und das Mathelernen am besten so weit wie möglich nach hinten raus schieben. Dennoch scheint es Menschen zu geben, die sich dem Gedankenmonster stellen und es irgendwie viel besser schaffen ihren Zeitplan einzuhalten und ihre Aufgaben zum richtigen Zeitpunkt erledigen.  Was machen diese Menschen anders und was kann man sich bei ihnen abgucken?

 

Nicht zu viel vornehmen

Motivationskiller Nr.1: Einen riesigen Berg Arbeit vor sich her schieben. Aus Unizeiten ist auch mir dieses Phänomen bekannt. „Morgen mache ich eine richtig lange Lerneinheit und werde min. 10 Seiten geschrieben haben.“ Es ist sieben Uhr, der Wecker klingelt. Benommen und weil es ja grad mal hell wird, kann man den Wecker ja noch einmal auf „snooze“ stellen. Zack, ist es neun Uhr und schon beginnt der Tag mit einem schlechten Gewissen. Immer noch mit dem Vorsatz gleich in die Bibliothek zu gehen, schleicht man sich ins Badezimmer und duscht ausführlich um erstmal richtig „Energie zu tanken“. Ein gutes Frühstück darf nicht fehlen, schließlich braucht es für das Lernen eine gute Grundlage. Um zwölf ist man dann am Unigebäude und trifft zufällig einen Kommilitonen, mit dem man sich verquatscht und dann beschließt die Mittagspause gemeinsam in der Mensa zu verbringen. Und schon ist es nach Essen und einem leckeren Cafe au lait drei Uhr, bevor man sich auch nur der Bibliothek nähert. Dummerweise grätscht um vier Uhr ein wichtiges Seminar in den Zeitplan.

 

„Mist! Da lohnt es sich ja für heute gar nicht anzufangen…“ Viele Studenten kennen dieses Lerntag-Phänomen und ärgern sich abends darüber, dass sie wieder mal nicht so viel geschafft haben, wie sie sich vorgenommen haben.

 

Dabei könnte es viel leichter gehen, wenn man diese Energie einmal gezielt in den Aufbau eines vernünftigen Lernplanes steckt. Denn jeden Tag 1-2 Seiten von 10-12 Uhr morgens geschrieben, garantiert einem in einer Woche min 10 Seiten, die in der besten Energie (die  Konzentrationsfähigkeit ist in dieser Zeit bei den meisten Menschen optimal) stressfrei erstellt werden könnten. Mit der Belohnung, dass man sich dann in aller Ruhe zur Mensa verabreden kann oder nachmittags ein Seminar oder eine Vorlesung besucht.

 

Realistische Versprechen, die man einhalten kann

Der Gedankenkreislauf der sich in der oben beschriebenen Handlung zeigt, ist folgender:

 

  1. Jetzt starte ich richtig durch und werde ab morgen Vollgas geben
  2. Nur noch kurz, dann fange ich an
  3. Ach jetzt ist schon Mittag und meinen Kommilitonen treffe ich so selten
  4. Jetzt ist eh erstmal Pause
  5. Oh nein es ist schon drei
  6. Jetzt lohnt es sich auch nicht mehr anzufangen

 

Ein Teufelskreis, der in der oder ähnlicher Weise am nächsten, übernächsten usw. Tag wieder stattfinden könnte. Dabei ist der Ablauf des Schaltkreises unterbewusst von einem einzigen Gedanken gesteuert: „Es ist sooooo viel was ich gleich noch machen muss. Und wie fange ich bloß damit an?“

 

Das Fatale: es leidet nicht nur die Motivation sondern auch das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Schamgefühle und Schuldgefühle sind häufige Begleiter. Damit dem Druck der Schuldgefühle ausgewichen werden kann, neigen viele Lerner dazu sich viel zu viel vorzunehmen. Eine Sackgasse.

 

Kleine Schritte setzen große Pläne um

Eigentlich eine Binsenweisheit und doch immer wieder so unterschätzt. Wir müssen kleine Schritte gehen beim Lernen.

 

Um also aus der Aufschieberitis-Falle zu entkommen, brauchen wir kleine, realistische Ziele, die uns nicht demotivieren. Anstatt sich also 10 Seiten Seminararbeit vorzunehmen ist es viel sinnvoller sich Teiletappen zu definieren.

 

„Heute von 10-12 lese ich die ersten zwei Texte“

 

„Morgen von 10-12 gehe ich in die Bib und hole mir entsprechende Literatur.“

 

Usw..

 

Um sich den Beginn zu erleichtern, kann man sich selbst absichern, z.B. durch eine SMS an einen Kommilitonen: „Hey morgen um zehn bin ich in der Bib, kommst du auch?“ So schafft man sich selbst gegenüber mehr Verlässlichkeit.

 

Also vergiss die großen Pläne, das Aufschieben und das Selbstzweifeln. Nehme dir stattdessen  etwas Kleines vor, denke darüber nach, wie du dir den Anfang erleichtern kannst und gebe dir dann das (viel kleinere) Versprechen, diesen Schritt auch wirklich zu tun.

 


Viel Erfolg beim motiviert Lernen wünscht,


das Greenline Training Team