Was braucht das Gehirn für eine gesunde neuronale Entwicklung?

Hier die wichtigsten Tipps für Sie als Eltern:

Neben den individuellen Übungen, die Ihr Kind durch ein Neuro-Coaching bekommt, gibt es hilfreiche Tipps zur Förderung einer gesunden neuronalen Entwicklung des Gehirns.
Gerade bei Kindern deren Selbststeuerung und Selbstständigkeit durch Verhaltensweisen geprägt ist, wie

  • Unkonzentriertheit („Zappelphilipp(ine) oder verträumte/-r Chaos-Prinz/Prinzessin“, hyperaktiv, impulsiv, unaufmerksam)
  • Defizite im Bereich der Wahrnehmung (z.B. visuell – Rechtschreibung, auditiv – Umsetzung von Handlungsanweisungen, etc.)
  • Defizite im Bereich der Sprache, Motorik, Leistungsmotivation
  • Hypersensitivität, starke Stimmungsschwankungen (Kontrolle der Emotionen), Selbstwahrnehmung, ADHS, Leseschwäche, Motivationsprobleme, Sprech- und Sprachverständnisschwierigkeiten, Dyslexie,


können die Übungen nachhaltig helfen.

Was ist das Ziel?

  • Aufbau von Konzentration und Motivation beim Lernen
  • Gesunde emotionale Entwicklung
  • angemessenes Sozialverhalten


Was passiert beim Durchführen der Neuro-Übungen?
Es geht um die Aufarbeitung der neuronalen Basis und die Bereitstellung von Energie zur Aktivierung oder Hemmung. Viele Kinder (und auch Erwachsene) haben Defizite in diesem Bereich – je früher das Gehirn „trainiert“ wird diese Defizite auszugleichen, desto besser kann das Gesamtsystem arbeiten.
Auch „hyperaktive“ Kinder brauchen mehr Energie, nur an den richtigen Stellen des Gehirns. Energie wird hier vor allem zur Hemmung benötigt.

Gehirnzellen brauchen zur Konsolidierung und Vernetzung (Neuroplastizität) zwei Dinge:
1.    Treibstoff (Energie aus Sauerstoff und „gutem“ Zucker)
2.    Aktivierung (durch unsere Übungen)

Darauf muss geachtet werden…

1.    Unsere Übungen sind zur Aktivierung der Gehirnzellen da, aber sie funktionieren nur, wenn genügend Treibstoff im Blut ist. Dieser Treibstoff ist Sauerstoff und Zucker. Achtung: es geht nicht um die Aufnahme von Industriezucker, sondern um gute Kohlenhydrate die umgewandelt werden: z.B. Müsli, Nüsse, Obst, etc.

2.    Bewegung fördern: Gehirnaktivität wird verbessert durch Erhöhung des Energie- und Sauerstoffniveaus. Dies wird erreicht durch kurze „Bewegungspausen“

  • bei sitzenden Tätigkeiten 2 min pro halber Stunde bewegen (z.B. während der Hausaufgaben auf der Stelle Joggen, Tanzen, kurz Brain Gym etc.)

3.    Zu langes Sitzen vermeiden. „Sitzen ist das neue Rauchen!“
4.    Wahrnehmungskiller: Bildschirmzeiten und TV Zeiten reduzieren! Zu viel aktivierendes Licht. Es helfen Blaulichtfilter für Smartphone, PC und Tablet (F.lux Blaulichtfiler) siehe BLIKK-Studie des Bundesministeriums zum Thema
5.    Ruhezeiten ohne „Input“ (Bildschirm, Geräusche) sind wichtig. In Ruhe-, Schlaf-, und Langeweile-Phasen verankert das Gehirn Informationen.

Welche Übungen dienen zur Stärkung der Selbstwahrnehmung meines Kindes?
Es geht darum die Wahrnehmung der äußeren Welt und des eigenen Körpers zu fördern.

Sehen
Was und wie sehe ich? (z.B. wichtig für den Aufbau visueller Strategien bei z.B. Rechtschreibung, mathematisches Zahlenverständnis, Konzentration auf Details)

Übungen
1.    Generell werden alle Augenübungen nach und nach in allen Kompass-Richtungen (N-NO-O-SO-S-SW-W-NW) geübt. Beispiel einen Stift im Kreis drehen, Augen folgen, Kopf bewegt sich nicht.
2.    Scharf sehen: 20 Sekunden lang auf einen Punkt fokussieren.
3.    Objektverfolgung: Während der Kopf still ist, verfolgen die Augen z.B. ein fahrendes Auto. Alternativ kann der Finger hin- und her bewegt werden.
4.    Blicksprünge: In schnellen Abfolgen auf gegenüberliegende Punkte blicken. Der Kopf bewegt sich dabei nicht.
5.    Peripheres Wahrnehmen: Während sich der Blick nicht bewegt, wird versucht das zu sehen, was um einen herum geschieht.

Hören   
Was und wie höre ich? (z.B. wichtig für den Aufbau von Sprachkompetenz)

Übungen
1.    Aus welcher Richtung kommt das Geräusch?
a)    Augen zu machen, jemand schnipst die Finger und ihr Kind muss dorthin zeigen, aus welcher Richtung das Geräusch kam.
b)    Gibt es Unterschiede vom linken zum rechten Ohr?


2.    Wie gut höre ich im rechts gegen links-Vergleich?
a)    Mit den Finger erst links dann rechts ein Reibegeräusch erzeugen und vergleichen.
b)    Bei starkem Ungleichgewicht ist es zu empfehlen für ein paar Tage in das starke Ohr einen Ohrstöpsel zu stecken

Riechen
Was und wie rieche ich? Manche Gerüche und Aromen (z.B. Zitrone) scheinen im Gehirn Aufmerksamkeit, und Gedächtnisfunktion zu verbessern.

Übungen   
1.     Kann ich Düfte unterscheiden? Hierzu wird versucht mit geschlossenen Augen verschiedene Aromen (z.B. Saunadüfte oder Backaromen) zu erraten.


2.     Rechts gegen links-Vergleich. Auch hier gilt: Riechen beide Nasenlöcher gleich gut? Hierzu ein Nasenloch schließen, einen Duft nah heran bringen und schnuppern.

Fühlen
Wie nehme ich mich selbst, meine Umwelt, Gefühle, Berührung und innere organische Prozesse wahr?

Übungen
1.    Kann ich am ganzen Körper gleich gut fühlen (v.a. auch auf Narben)? Die Fühlwahrnehmung von linkem und rechtem Arm, Bein und vor allem Gesicht vergleichen. Manchmal sind alte Narben nicht fühlbar und benötigen deshalb etwas Fühl-Übung.
2.    Leichte Berührung: Hierzu mit Fingernagel oder Taschentuch über die Haut streichen
3.    Spitze Berührung: Mit einer Büroklammer sanft pieksen
4.    Warme und kalte Berührungen im rechts gegen links-Vergleich (z.B. kalten Löffel erst auf rechten, dann auf linken Arm legen – Fühlst Du einen Unterschied?)
5.    Selbstwahrnehmung: Kann ich meinen Herzschlag spüren? Was passiert mit dem Herzschlag wenn ich lange ausatme?

Anmerkung: Generell suchen wir nach denjenigen Wahrnehmungen, die ihr Kind NICHT gut kann. Jeglicher, noch so kleine Wahrnehmungsmangel, kann eine riesige Bremse der Gehirntätigkeit sein.

Wie oft sollten die Übungen durchgeführt werden?
Kleine Arbeiten machen das „große Ganze“: Die hier beschriebenen Inputs sollten anfangs 3-5 Mal am Tag durchgeführt werden. Dabei haben die Wahrnehmungsübungen Priorität, die sehr schwach ausgeprägt sind.

Es gilt: Die schwache Seite muss aktiviert werden. Die Starke sollte vernachlässigt werden.

  • Einzelübung 2 Minuten
  • Übungsset (z.B. 3 Übungen nacheinander) 5-8 Minuten

  • Sinnvolle Progression: Mit wenig anfangen - langsam steigern - nach ca. 3 Wochen immer mal wieder aktivieren


Wenn dies aus Gründen nicht geschafft wird, reichen anfangs auch 3 mal 1min. Wichtig ist, dass der Faden nicht verloren geht! Manchmal ist es eine gute Strategie mit nur 30Sek (!!!) zu starten. Hierdurch ist die Übung so denkbar einfach durchzuführen, dass eine Gewohnheit schnell entstehen kann. Auch hier gilt: Kleine aber konstante Schritte sind am wertvollsten.
Richtlinie: Wenn ich eine Änderung nach 4 Wochen immer noch mache, habe ich es richtig in meinen Alltag integriert. Nun kann ich die nächste Änderung angehen.